Ratgeber · Stand: Oktober 2026

Stundensatz berechnen als Freelancer: Formel, produktive Stunden und Beispiel

Ihr Stundensatz ist der Betrag, den Sie im Jahr brauchen, geteilt durch die Stunden, die Sie wirklich abrechnen können. Im Beispiel unten sind das 73.800 Euro durch rund 1.160 Stunden, also etwa 64 Euro netto.

Viele Selbständige setzen ihren Satz nach Gefühl oder nach dem, was andere verlangen. Das geht oft schief, weil zwei Größen unterschätzt werden: die Kosten, die ein Angestellter nie sieht, und die Stunden, die sich nicht abrechnen lassen. Dieser Ratgeber zeigt die Formel, rechnet ein Beispiel durch und vergleicht das Ergebnis mit dem Marktdurchschnitt.

Wichtig vorab: Die Zahlen im Beispiel sind Annahmen, keine Durchschnittswerte. Setzen Sie Ihre eigenen ein. Belegte Durchschnittswerte kennzeichnen wir mit Quelle.

Wie berechne ich meinen Stundensatz?

Stundensatz (netto) = (Privatbedarf + Vorsorge + Steuern + Betriebskosten + Rücklage) ÷ abrechenbare Stunden im Jahr

Oben steht alles, was Ihr Geschäft im Jahr einbringen muss. Unten stehen nur die Stunden, die Sie einem Kunden in Rechnung stellen können. Nicht die Stunden, die Sie arbeiten. Der Unterschied zwischen beiden ist der häufigste Grund für zu niedrige Sätze.

Schritt 1: Was muss Ihr Geschäft im Jahr einbringen?

Sammeln Sie die Jahresbeträge in fünf Gruppen:

  • Privatbedarf: was Sie zum Leben brauchen, also Miete, Essen, Mobilität, Freizeit. Netto, nach Steuern und Vorsorge.
  • Vorsorge: Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge, gegebenenfalls Berufsunfähigkeit. Als Selbständiger zahlen Sie diese Beiträge allein.
  • Steuern: Einkommensteuer und gegebenenfalls Gewerbesteuer. Die Höhe hängt von Ihrem Gewinn und Ihrer Lage ab. Fragen Sie im Zweifel Ihre Steuerberatung nach einem realistischen Betrag.
  • Betriebskosten: Hardware, Software, Büro oder Arbeitszimmer, Versicherungen, Weiterbildung, Steuerberatung, Telefon, Fahrten.
  • Rücklage: ein Puffer für Zahlungsausfälle, ruhige Monate und Ersatzanschaffungen.

Die Umsatzsteuer gehört nicht in die Rechnung. Sie schlagen sie auf Ihren Nettosatz auf und führen sie ans Finanzamt ab. Der allgemeine Steuersatz beträgt 19 Prozent.[4]

Schritt 2: Wie viele Stunden können Sie wirklich abrechnen?

Beginnen Sie mit den Werktagen. 2026 hat 261 Tage von Montag bis Freitag. Davon ziehen Sie ab, was nicht gearbeitet wird:

PostenTage
Montag bis Freitag im Jahr 2026261
Feiertage auf Werktagen (Annahme, je nach Bundesland verschieden)−9
Urlaub (Annahme)−30
Krankheit (Annahme)−10
Weiterbildung (Annahme)−5
Arbeitstage207
Arbeitszeit bei 8 Stunden je Tag1.656 Std.

Von diesen Stunden ist nur ein Teil abrechenbar. Akquise, Angebote, Rechnungen, Buchhaltung, Fortbildung und E-Mails bezahlt Ihnen niemand direkt. Dazu kommen Lücken zwischen zwei Aufträgen.

Was belegt ist: In der Umfrage Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap entfielen im Durchschnitt 12 Prozent der Arbeitszeit auf nicht abrechenbare Stunden.[1] Gleichzeitig gaben 24 Prozent der Befragten an, im vergangenen Jahr an weniger als 50 Tagen mit Projekten ausgelastet gewesen zu sein.[2] Leerlauf ist also für viele das größere Problem als Verwaltung.

Im Beispiel rechnen wir deshalb vorsichtig mit 70 Prozent abrechenbarer Zeit: 1.656 Stunden mal 0,7 ergibt rund 1.160 abrechenbare Stunden im Jahr. Wer feste Langzeitkunden hat, kommt höher. Wer gerade startet, oft deutlich niedriger.

Beispielrechnung: Stundensatz für einen Freelancer

Alle Beträge sind Annahmen für ein Jahr. Sie sollen den Rechenweg zeigen, nicht Ihre Kosten vorgeben.

Posten (Annahme)Euro im Jahr
Privatbedarf, 3.000 € im Monat36.000
Kranken- und Pflegeversicherung9.600
Altersvorsorge7.200
Einkommensteuer9.000
Betriebskosten8.000
Rücklage4.000
Summe73.800

73.800 Euro geteilt durch 1.160 Stunden ergibt 63,62 Euro. Gerundet sind das 64 Euro netto je Stunde. Mit 19 Prozent Umsatzsteuer stehen 76,16 Euro auf der Rechnung.

Wie stark die Zahl der Stunden wirkt, zeigt diese Tabelle mit derselben Summe von 73.800 Euro:

Abrechenbare Stunden im JahrStundensatz netto
80092,25 €
1.00073,80 €
1.16063,62 €
1.40052,71 €

Wer nur 800 statt 1.160 Stunden verkauft, braucht fast 30 Euro mehr je Stunde, um auf dasselbe Ergebnis zu kommen.

Wie rechne ich den Stundensatz in einen Tagessatz um?

Multiplizieren Sie den Stundensatz mit den Stunden, die ein Tag in Ihrer Vereinbarung hat. Bei 8 Stunden und 64 Euro sind das 512 Euro netto. Legen Sie im Vertrag fest, wie viele Stunden ein Tag umfasst und wie Sie halbe oder längere Tage abrechnen. Sonst wird aus einem Tag mit 10 Stunden schnell ein Streit. Mehr dazu im Ratgeber Abrechnung nach Zeitaufwand.

Was verlangen Freelancer im Durchschnitt?

Laut Freelancer-Kompass 2026 liegt der durchschnittliche Stundensatz im deutschsprachigen Raum bei 103 Euro, nach 104 Euro im Vorjahr.[1][2] Am Teil zum Einkommen nahmen 1.310 Freelancer, Freiberufler und Selbständige teil.[1] Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit stieg laut der Umfrage von 40 auf 42 Stunden.[2]

Zwei Einschränkungen: Die Zahl stammt aus einer Umfrage einer Projektbörse und ist nicht repräsentativ für alle Selbständigen. Und sie umfasst Deutschland, Österreich und die Schweiz. Nehmen Sie den Wert als Orientierung für Ihren Markt, nicht als Maßstab. Liegt Ihre Rechnung weit darunter, haben Sie vielleicht Spielraum nach oben. Liegt sie weit darüber, prüfen Sie Ihre Kosten und Ihre Stunden, oder ob Ihr Angebot spezialisiert genug ist.

Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Kleinunternehmer weisen keine Umsatzsteuer aus. Voraussetzung ist ein Gesamtumsatz von höchstens 25.000 Euro im Vorjahr und höchstens 100.000 Euro im laufenden Jahr.[3] Rechnen Sie nach: Im Beispiel bringen 1.160 Stunden zu 64 Euro rund 74.000 Euro Umsatz. Das liegt weit über 25.000 Euro. Wer von seiner Selbständigkeit leben will, fällt deshalb oft schon im zweiten Jahr aus der Regelung. Bei Privatkunden zählt dann der Bruttopreis: Aus 64 Euro werden 76,16 Euro. Einzelheiten stehen im Ratgeber Kleinunternehmer-Rechnung.

Und wenn es eine Gebührenordnung gibt?

Steuerberater, Anwälte, Architekten, Ingenieure und Sachverständige rechnen teilweise nach eigenen Regeln ab: StBVV, RVG, HOAI oder JVEG. Dort setzen Gesetz oder Vereinbarung den Rahmen. Die eigene Kalkulation bleibt trotzdem sinnvoll, weil sie zeigt, ob ein Mandat sich lohnt. Für diese Berufe gibt es die Gebührenrechner und den Ratgeber Stundensatz für Steuerberater.

Checkliste: Stundensatz prüfen

  • Alle fünf Kostengruppen als Jahresbetrag erfasst
  • Urlaub, Krankheit, Feiertage und Weiterbildung abgezogen
  • Nur abrechenbare Stunden im Nenner, mit Puffer für Leerlauf
  • Umsatzsteuer getrennt aufgeschlagen, nicht eingerechnet
  • Ergebnis mit dem Markt verglichen
  • Nach drei bis sechs Monaten mit den echten Stunden nachgerechnet

Der letzte Punkt ist der wichtigste. Erst die tatsächlich erfassten Stunden zeigen, wie viel Ihrer Zeit Sie wirklich verkaufen.

Echte Stunden erfassen mit Taktwert

Taktwert ist eine Desktop-App für Windows und Mac ohne Cloud. Sie starten den schwebenden Timer per Tastenkürzel und erfassen Zeiten je Kunde und Projekt. Für Freelancer und Berater rechnet Taktwert mit Stunden- oder Tagessatz und einem Takt von 1, 6, 15, 30 oder 60 Minuten ab. Aus den Zeiten entstehen Rechnungen mit allen Pflichtangaben, Angebote und Mahnungen.

Für eine Person ist Taktwert kostenlos, ohne Grenzen bei Kunden und Rechnungen. Rechnungen tragen dann den Hinweis „Erstellt mit Taktwert“. Premium kostet 39 € je Platz und Jahr zzgl. USt. Eine Buchhaltung mit EÜR gibt es nicht. Bestehende Zeiten übernehmen Sie per Import, etwa aus Toggl oder Clockify.

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Häufige Fragen

Zur Kalkulation des Stundensatzes. Weitere Fragen beantworten wir unter support@taktwert.de.

Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?

Addieren Sie Privatbedarf, Vorsorge, Steuern, Betriebskosten und Rücklage für ein Jahr. Teilen Sie die Summe durch die Stunden, die Sie im Jahr abrechnen können. Das Ergebnis ist Ihr Nettosatz, auf den Sie gegebenenfalls Umsatzsteuer aufschlagen.

Wie viele Stunden kann ein Freelancer im Jahr abrechnen?

Das hängt stark von Auslastung und Verwaltung ab. Bei 207 Arbeitstagen zu 8 Stunden und 70 Prozent abrechenbarer Zeit sind es rund 1.160 Stunden. In der Umfrage Freelancer-Kompass 2026 war ein Viertel der Befragten an weniger als 50 Tagen mit Projekten ausgelastet.[2]

Was verlangen Freelancer im Durchschnitt pro Stunde?

Laut Freelancer-Kompass 2026 im Durchschnitt 103 Euro, im deutschsprachigen Raum und über alle Fachgebiete.[1] Der Wert stammt aus einer Umfrage und ist ein Anhaltspunkt, kein Richtwert.

Ist der Stundensatz netto oder brutto?

Kalkulieren Sie netto. Die Umsatzsteuer schlagen Sie auf und führen sie ab, sie ist kein Einkommen. Als Kleinunternehmer gibt es keinen Aufschlag, Ihr Satz ist dann auch der Endpreis.

Wie rechne ich den Stundensatz in einen Tagessatz um?

Stundensatz mal vereinbarte Stunden je Tag. Bei 64 Euro und 8 Stunden sind das 512 Euro. Halten Sie im Vertrag fest, wie viele Stunden ein Tag hat.

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Quellen

Stand: Oktober 2026. Abgerufen am 8. Oktober 2026.

  1. freelancermap, Freelancer-Kompass 2026, Einkommen: freelancermap.de/freelancer-kompass/einkommen
  2. freelancermap, Pressemitteilung vom 17. März 2026, Freelancer-Kompass 2026: freelancermap.at (PDF)
  3. § 19 UStG, Steuerbefreiung für Kleinunternehmer: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__19.html
  4. § 12 UStG, Steuersätze: gesetze-im-internet.de/ustg_1980/__12.html

Keine Rechts- oder Steuerberatung. Dieser Ratgeber erklärt die allgemeine Rechtslage in Deutschland zum genannten Stand. Er ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Für Ihre konkrete Lage fragen Sie bitte Ihre Steuerberaterin oder Ihren Steuerberater. Fehler melden Sie bitte an support@taktwert.de, wir korrigieren sie umgehend.